Von: Philipp Wittenbrink
Stand: 10.09.2026
Sicherheit beim Online-Banking: So schützen Sie Ihr Tagesgeldkonto
Das Wichtigste in Kürze:
- Bei Tagesgeldkonten ist Online-Banking meist der einzige Zugangsweg, eine Filiale als Alternative gibt es in der Regel nicht.
- Guthaben von einem Tagesgeldkonto kann nur auf ein vorher festgelegtes Referenzkonto fließen, das ist ein praktischer Schutz gegen viele Betrugsformen.
- Seit der EU-Richtlinie PSD2 ist eine Zwei-Faktor-Authentifizierung gesetzlich vorgeschrieben, reine Passwörter reichen nicht mehr aus.
- Die größte Schwachstelle bleibt Phishing, bei dem Betrüger versuchen, an Ihre Zugangsdaten zu gelangen, oft getarnt als besonders lukratives Tagesgeldangebot.
Warum Online-Banking beim Tagesgeld besonders wichtig ist
Anders als beim klassischen Girokonto mit Filiale ist Online-Banking bei den meisten Tagesgeldkonten nicht nur eine Option, sondern der einzige Zugangsweg. Sie eröffnen das Konto online, verwalten es online, und auch Ein- und Auszahlungen laufen ausschließlich digital. Wer online kein sicheres Verfahren nutzt, hat bei einer reinen Direktbank keine Filiale, in der er im Zweifel persönlich vorstellig werden könnte. Die Sicherheit Ihres Online-Zugangs ist damit direkt die Sicherheit Ihres gesamten Tagesgeldguthabens.
Das Referenzkonto als eingebauter Schutz
Ein Sicherheitsmerkmal, das viele Sparer gar nicht als solches wahrnehmen: Bei einem Tagesgeldkonto können Sie in aller Regel nur auf ein einziges, vorher festgelegtes Referenzkonto auszahlen, das auf Ihren eigenen Namen läuft. Anders als bei einem Girokonto lässt sich also nicht einfach eine Überweisung an eine beliebige, fremde Kontoverbindung auslösen.
Das begrenzt den Schaden im Fall eines erfolgreichen Angriffs erheblich: Selbst wer Ihre Zugangsdaten und eine TAN erbeutet, kann Ihr Guthaben in der Regel nur auf Ihr eigenes Referenzkonto überweisen, nicht auf ein fremdes Konto. Banken sichern eine Änderung des Referenzkontos deshalb besonders ab, häufig über zusätzliche Legitimation oder eine postalische Bestätigung. Prüfen Sie bei jeder neuen Bank, wie eine solche Änderung abläuft, und seien Sie besonders misstrauisch, wenn eine Anfrage zur Änderung des Referenzkontos unerwartet kommt.
Die gesetzliche Grundlage: Starke Kundenauthentifizierung
Seit 2019 gilt in der EU die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2. Sie verpflichtet Banken zu einer sogenannten starken Kundenauthentifizierung, umgangssprachlich Zwei-Faktor-Authentifizierung. Dabei müssen Sie sich mit mindestens zwei von drei unabhängigen Merkmalen ausweisen: etwas, das nur Sie wissen, etwa eine PIN, etwas, das nur Sie besitzen, etwa Ihr Smartphone oder eine Karte mit TAN-Generator, und optional etwas, das Sie sind, etwa ein Fingerabdruck.
Ursprünglich mussten Sie sich dafür spätestens alle 90 Tage erneut vollständig authentifizieren, seit einer Anpassung 2023 gilt eine Frist von 180 Tagen. Melden Sie sich seltener an, verlangt die Bank beim nächsten Login wieder das vollständige Verfahren statt nur Benutzername und PIN.
TAN-Verfahren bei Tagesgeldkonten: meist App statt Generator
Die klassische TAN-Liste auf Papier sowie die durchnummerierte iTAN-Liste erfüllen die PSD2-Vorgaben nicht mehr und werden von deutschen Banken kaum noch angeboten. Bei reinen Tagesgeldkonten kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Viele Direktbanken geben zum Tagesgeld gar keine physische Girokarte aus. Ein chipTAN-Generator, der eine solche Karte voraussetzt, entfällt damit meist von vornherein, und die Authentifizierung läuft fast ausschließlich über eine App.
pushTAN ist entsprechend das verbreitetste Verfahren bei Tagesgeldbanken. Sie erhalten die TAN direkt in einer App auf Ihrem Smartphone, die den konkreten Auftrag anzeigt und zur Bestätigung auffordert. Viele Direktbanken, auch solche mit Sitz im europäischen Ausland, setzen dabei auf eigene oder lizenzierte App-Lösungen wie SecureGo plus. Ein Punkt zur Vorsicht: Ein vielbeachtetes Gerichtsurteil aus dem Jahr 2023 hat kritisch bewertet, wenn die TAN-App auf demselben Gerät installiert ist wie die Banking-App selbst, weil dadurch die Trennung der beiden Sicherheitsfaktoren geschwächt wird. Bietet Ihre Bank eine Wahl an, ist eine Installation auf getrennten Geräten die sicherere Option.
chipTAN und photoTAN mit separatem Lesegerät kommen bei reinen Tagesgeldbanken seltener vor als bei klassischen Girokonto-Anbietern, da beide meist eine ausgegebene Karte voraussetzen. Wo verfügbar, gelten sie wegen der fehlenden Internetverbindung des Geräts als besonders robust.
Phishing erkennen: Auch bei Tagesgeld-Lockangeboten
Keine Bank fragt Sie jemals per E-Mail, SMS oder Telefon nach Ihrer PIN oder einer TAN. Bei Tagesgeld kommt eine zusätzliche Betrugsform hinzu, die unser Ratgeber zur Tagesgeld-Sicherheit ausführlich behandelt: gefälschte Banken oder Webseiten, die mit Zinsen weit über dem Marktniveau locken, um an Ihre Daten oder direkt an eine Einzahlung zu gelangen.
Öffnen Sie Links aus unerwarteten Nachrichten nicht, sondern rufen Sie die Seite Ihrer Bank immer direkt über die eigene App oder eine selbst eingegebene Adresse auf. Prüfen Sie bei Unsicherheit die Absenderadresse genau, und bei neuen Anbietern zusätzlich, ob eine echte Banklizenz in der BaFin-Unternehmensdatenbank hinterlegt ist.
So schützen Sie sich zusätzlich
Verwenden Sie ein einzigartiges, ausreichend langes Passwort für Ihr Tagesgeldkonto, das Sie nirgendwo sonst nutzen. Im Idealfall verwaltet Sie ihre Passwörter über einen Passwort-Manager. Halten Sie die Banking-App und Ihr Smartphone-Betriebssystem stets aktuell, da Updates häufig Sicherheitslücken schließen. Erledigen Sie Login und Überweisungen nach Möglichkeit nicht über ungesichertes öffentliches WLAN.
Was tun im Verdachtsfall?
Haben Sie den Verdacht, dass Zugangsdaten oder eine TAN in falsche Hände geraten sind, kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank und lassen Sie den Zugang sperren. Außerhalb der Geschäftszeiten hilft der bundesweite Sperr-Notruf unter der Nummer 116 116. Da bei Tagesgeld ohnehin nur eine Auszahlung an Ihr eigenes Referenzkonto möglich ist, ist der maximale Schaden im Vergleich zu einem Girokonto meist begrenzt, ein Restrisiko bleibt aber bestehen. Ändern Sie anschließend Ihr Passwort und erstatten Sie bei einem tatsächlichen Schaden Anzeige bei der Polizei.
Häufige Fragen beantwortet
Ja, mit einem aktuellen TAN-Verfahren gilt es als sehr sicher. Ein zusätzlicher Schutz beim Tagesgeld: Auszahlungen sind nur auf Ihr vorher festgelegtes Referenzkonto möglich, nicht an beliebige Empfänger.
Reine Tagesgeldkonten dienen nur der Geldanlage, nicht dem Zahlungsverkehr, weshalb Banken meist auf eine physische Karte verzichten. Die Authentifizierung läuft deshalb fast immer über eine App statt über einen kartenbasierten TAN-Generator.
In der Regel nicht direkt. Auszahlungen sind fast immer nur auf das hinterlegte Referenzkonto möglich, das auf Ihren eigenen Namen läuft. Ein Angreifer müsste zusätzlich das Referenzkonto ändern, was Banken meist mit zusätzlicher Sicherung versehen.
chipTAN gilt als besonders robust, da der Generator ohne Internetverbindung arbeitet. Bei Tagesgeldkonten ohne Girokarte ist pushTAN meist die einzig verfügbare Option, idealerweise installiert auf einem anderen Gerät als die Banking-App.
Nach den PSD2-Vorgaben spätestens alle 180 Tage vollständig mit zwei Faktoren. Diese Frist wurde 2023 von ursprünglich 90 auf 180 Tage verlängert.
An Zinsen deutlich über dem Marktniveau, fehlender Banklizenz in der BaFin-Datenbank und Druck zur schnellen Einzahlung. Details dazu finden Sie in unserem Ratgeber zur Tagesgeld-Sicherheit.
Geben Sie keine Daten ein, falls Sie es noch nicht getan haben. Haben Sie bereits Daten eingegeben, kontaktieren Sie sofort Ihre Bank oder den Sperr-Notruf unter 116 116 und ändern Sie Ihr Passwort.
Geschrieben und geprüft von: Philipp Wittenbrink
Tagesgeld.org wurde 2007 von Philipp Wittenbrink gegründet. Seitdem hat er über 100 Tagesgeldangebote analysiert und mehr als 30 Konten selbst eröffnet, um Eröffnungsprozess, Konditionen und Service aus erster Hand zu prüfen. Seine Erfahrung aus über 20 Jahren mit Direktbanken hilft Verbrauchern bei der Suche nach dem passenden Konto.