Von: Philipp Wittenbrink
Stand: 10.09.2026
So sinnvoll ist der Kontowechsel: Was Sie zum Tagesgeld-Hopping wissen müssen
Das Wichtigste in Kürze:
- Tagesgeld-Hopping bedeutet, gezielt zur Bank mit dem aktuell besten Aktionszins zu wechseln, statt bei einem Anbieter zu bleiben.
- Ein reines Tagesgeldkonto führt in der Regel zu keinem Schufa-Eintrag, ein zusätzliches Girokonto dagegen schon.
- Auch mehrere Tagesgeldkonten gleichzeitig zu führen ist unproblematisch und in bestimmten Fällen sogar sinnvoll.
- Der Effekt eines Wechsels hängt stark von der Anlagesumme ab, bei kleinen Beträgen lohnt sich der Aufwand oft kaum.
- Wer den Aufwand scheut, fährt mit einer Bank, die dauerhaft einen ordentlichen Zins zahlt, oft ähnlich gut.
Was ist Tagesgeld-Hopping?
Viele Banken werben mit einem hohen Zins für Neukunden, der nur für einen begrenzten Zeitraum garantiert ist, oft drei bis sechs Monate. Danach fällt der Zins auf ein niedrigeres Niveau. Tagesgeld-Hopper nutzen genau dieses Muster: Sie eröffnen bei der Bank mit dem aktuell besten Angebot ein Konto, sichern sich die Zinsgarantie, und wechseln nach deren Ablauf zur nächsten Bank mit einem attraktiven Neukundenzins weiter.
Da die meisten Tagesgeldkonten kostenlos sind, keine Kündigungsfrist haben und keine Mindesteinlage verlangen, ist der Wechsel selbst unkompliziert. Der eigentliche Aufwand liegt im Vergleichen der Angebote und im Ausfüllen der Kontoeröffnung, nicht im Kontowechsel an sich.
Führt Tagesgeld-Hopping zu einem Schufa-Eintrag?
Diese Frage beschäftigt viele Sparer, die häufig das Konto wechseln möchten, und lässt sich klar beantworten. Ein reines Tagesgeldkonto wird von den meisten Banken nicht an die Schufa gemeldet. Weder die Eröffnung noch die Kontoführung noch eine Kündigung hinterlassen dort üblicherweise Spuren, und Ihr Score bleibt unberührt.
Anders sieht es aus, wenn eine Bank den Aktionszins an ein zusätzliches Girokonto koppelt, was bei einigen Anbietern der Fall ist. Für die Eröffnung eines Girokontos führen Banken in der Regel eine Schufa-Abfrage durch und melden die Kontoeröffnung. Das ist noch kein negativer Eintrag im Sinne eines Zahlungsausfalls, taucht aber in Ihrer Schufa-Akte auf. Wer häufig wechselt und dabei wiederholt ein gekoppeltes Girokonto eröffnet, sammelt entsprechend mehrere solcher Meldungen. Prüfen Sie deshalb vor der Eröffnung, ob eine Bank ein reines Tagesgeldkonto anbietet oder eine Kopplung verlangt.
Mehrere Tagesgeldkonten gleichzeitig führen
Neben dem klassischen Hopping, bei dem Sie ein Konto nach dem anderen nutzen, führen viele Sparer auch dauerhaft mehrere Tagesgeldkonten parallel. Das ist grundsätzlich unproblematisch: Tagesgeldkonten kosten nichts, verlangen meist keine Mindesteinlage und lassen sich beliebig lange ungenutzt weiterführen.
Sinnvoll ist das vor allem in drei Fällen. Erstens, wenn Sie mehr als 100.000 Euro anlegen und Ihr Guthaben auf mehrere Banken verteilen möchten, um innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung zu bleiben, mehr dazu in unserem Ratgeber zur Einlagensicherung. Zweitens, wenn Sie mehrere Sparziele getrennt verwalten möchten, etwa einen Notgroschen und eine Rücklage für den Urlaub. Drittens während eines Wechsels selbst, wenn das neue Konto schon läuft, während das alte noch nicht vollständig geräumt ist.
Ein Nachteil bleibt der Überblick: Je mehr Konten Sie führen, desto mehr Zinstermine, Freistellungsaufträge und Ablauffristen von Aktionszinsen müssen Sie im Blick behalten.
Lohnt sich der Wechsel? Ein Rechenbeispiel
Angenommen, Sie legen 8.000 Euro für ein Jahr an. Bei einer Bank, die durchgehend 2,00% zahlt, ergibt das nach zwölf Monaten rund 160 Euro Zinsen.
Wechseln Sie stattdessen zweimal, um jeweils einen sechsmonatigen Aktionszins mitzunehmen, zunächst 3,50% und anschließend 3,20% bei einer anderen Bank, kommen Sie auf etwa 265 Euro. Der Wechsel bringt in diesem Beispiel rund 105 Euro mehr, allerdings für zwei Kontoeröffnungen und die Zeit, die Sie in den Vergleich investieren.
Bei diesem Beispiel ist bereits eine realistische Reibung eingerechnet: Während der Überweisung vom alten Tagesgeldkonto über Ihr Referenzkonto zum neuen Anbieter liegt das Geld einige Tage unverzinst. Wer mehrfach im Jahr wechselt, sollte diese kurzen zinsfreien Phasen nicht unterschätzen, auch wenn sie das Ergebnis selten grundlegend verändern.
Wie stark sich Hopping für Sie lohnt, hängt vor allem von der Anlagesumme ab. Bei kleineren Beträgen macht der Unterschied oft nur wenige Euro im Jahr aus, bei größeren Summen wird er schnell deutlich spürbarer. Weil der reine Zinssatz dabei leicht in die Irre führt, sortiert unser Tagesgeld-Vergleich standardmäßig nach dem tatsächlichen Zinsertrag über die Anlagedauer, nicht nach der nackten Prozentzahl.
Wie oft sollten Sie das Konto wechseln?
Eine feste Regel gibt es nicht, viele orientieren sich schlicht an der Länge der jeweiligen Zinsgarantie, meist drei bis sechs Monate. Bevor Sie ein neues Konto eröffnen, kündigen Sie das alte am besten schriftlich und lassen das Restguthaben auf Ihr Referenzkonto überweisen, viele Banken erledigen das automatisch im Rahmen der Kündigung.
Denken Sie daran, bei der neuen Bank einen Freistellungsauftrag einzurichten, falls Sie den Sparer-Pauschbetrag nutzen möchten. Der Auftrag bei der alten Bank gilt nur dort und sollte bei Bedarf gekündigt oder auf null gesetzt werden, damit Sie die 1.000 Euro nicht doppelt verplanen.
Achten Sie außerdem auf zwei Fristen, die je nach Bank stark variieren: Erstens, wie lange Sie nach Kontoschließung warten müssen, um bei derselben Bank erneut als Neukunde zu gelten, das reicht von wenigen Monaten bis zu zwei Jahren. Zweitens verlangen manche Banken, dass Ihre erste Einzahlung innerhalb weniger Tage nach der Kontoeröffnung erfolgt, sonst entfällt der Aktionszins von Beginn an. Beide Fristen stehen in den Teilnahmebedingungen der jeweiligen Aktion.
Für wen lohnt sich Hopping, und für wen nicht?
Hopping eignet sich für Sparer, die größere Beträge anlegen, gern vergleichen und kein Problem damit haben, mehrere Konten im Blick zu behalten. Der Mehrertrag wächst mit der Anlagesumme, während der Aufwand pro Wechsel etwa gleich bleibt.
Wer diesen Aufwand nicht möchte, fährt oft ähnlich gut mit einer Bank, die dauerhaft einen fairen Zins ohne große Sprünge zahlt. Ein einmal jährlicher Vergleich reicht in diesem Fall meist aus, um zu prüfen, ob sich ein Wechsel überhaupt noch lohnt.
Häufige Fragen beantwortet
Ein reines Tagesgeldkonto in der Regel nicht. Weder die Eröffnung noch die laufende Nutzung oder eine Kündigung wirken sich normalerweise auf Ihren Schufa-Score aus.
Durch reines Tagesgeld nicht. Ein Eintrag kann entstehen, wenn eine Bank den Aktionszins an ein zusätzliches Girokonto koppelt, da dessen Eröffnung meist eine Schufa-Abfrage und eine Meldung nach sich zieht. Das ist kein negativer Eintrag wegen Zahlungsausfalls, taucht aber in Ihrer Schufa-Akte auf.
Ja, das kann sich lohnen, etwa um Beträge über 100.000 Euro auf mehrere Banken zu verteilen, um verschiedene Sparziele getrennt zu verwalten oder um während eines Kontowechsels flexibel zu bleiben. Da Tagesgeldkonten meist kostenlos sind, entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten, nur etwas mehr Verwaltungsaufwand.
Es gibt keine feste Regel, viele orientieren sich an der Länge der jeweiligen Zinsgarantie, meist drei bis sechs Monate. Wer den Aufwand gering halten möchte, kann auch einmal im Jahr prüfen, ob eine andere Bank deutlich bessere Konditionen bietet.
Das hängt von Ihrer Anlagesumme ab. Bei kleineren Beträgen bringt der Wechsel oft nur wenige Euro im Jahr, bei größeren Summen macht sich der Unterschied deutlicher bemerkbar. Wer den Vergleichsaufwand nicht scheut, kann mit regelmäßigem Wechseln einen spürbaren Mehrertrag erzielen.
Während der Überweisung zwischen den Konten bleibt Ihr Geld für einige Tage unverzinst. Bei den üblichen Transferzeiten von wenigen Werktagen fällt das kaum ins Gewicht, sollte bei häufigem Wechseln aber mitbedacht werden.
Meist erst nach einer Wartezeit ohne Konto bei dieser Bank, die je nach Anbieter zwischen wenigen Monaten und zwei Jahren liegt. Die genaue Frist steht in den Teilnahmebedingungen der jeweiligen Aktion.
Ja, ein Freistellungsauftrag gilt nur bei der Bank, bei der Sie ihn erteilt haben. Bei einem Wechsel richten Sie ihn bei der neuen Bank neu ein und setzen ihn bei der alten auf null, damit Sie den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro nicht überschreiten.
Geschrieben und geprüft von: Philipp Wittenbrink
Tagesgeld.org wurde 2007 von Philipp Wittenbrink gegründet. Seitdem hat er über 100 Tagesgeldangebote analysiert und mehr als 30 Konten selbst eröffnet, um Eröffnungsprozess, Konditionen und Service aus erster Hand zu prüfen. Seine Erfahrung aus über 20 Jahren mit Direktbanken hilft Verbrauchern bei der Suche nach dem passenden Konto.